Der Irrtum: "Kein Ping heißt, der Server ist tot"
Uns erreicht diese Meldung ständig: Jemand pingt einen Server an, bekommt nur "Request timed out" zu sehen und schließt daraus, der Dienst sei ausgefallen. Dabei läuft die Website im Browser tadellos. Die Schlussfolgerung ist verständlich, aber falsch. ICMP, das Protokoll hinter Ping, ist für einen Server komplett optional. Viele Cloud-Anbieter und so gut wie jede vernünftig konfigurierte Firewall blocken Ping-Anfragen standardmäßig, während HTTP auf Port 443 ganz normal weiterläuft. Fehlender Ping ist also bestenfalls ein Hinweis, niemals ein Beweis für einen Ausfall.
Was hier tatsächlich gemessen wird
Ping sendet ein kleines Datenpaket (ICMP Echo Request) an den Zielhost und wartet auf die Antwort (Echo Reply). Aus dem zeitlichen Abstand zwischen beiden lässt sich die Verbindungsqualität ablesen. Der Name kommt vom Sonar, bei dem ein Schiff einen Ton aussendet und auf das Echo lauscht, ein passendes Bild für ein Protokoll, das im Kern nichts anderes tut.
Drei Werte, ein Gesamtbild
Antwortet der Host überhaupt?
Ein Timeout kann drei Ursachen haben: Der Host ist tatsächlich offline, eine Firewall filtert ICMP gezielt heraus, oder die Route dorthin ist unterbrochen. Ohne einen zweiten Test (etwa auf TCP-Ebene) lassen sich diese drei Fälle von außen nicht sicher unterscheiden.
Latenz (Round-Trip-Time)
Die Zeit in Millisekunden vom Versand bis zur Antwort. Grobe Richtwerte, die sich in der Praxis bewährt haben:
- unter 20 ms: sehr gut, typisch für einen Server in derselben Stadt oder Region.
- 20 bis 60 ms: normal für Verbindungen innerhalb Deutschlands oder Europas.
- 60 bis 120 ms: bei schnellen Online-Spielen bereits spürbar, meist eine transatlantische Route.
- über 200 ms: deutlich wahrnehmbare Verzögerung, entweder interkontinental oder ein echtes Netzproblem.
Paketverlust
Das Verhältnis angekommener zu gesendeten Paketen. Ab etwa 1 bis 2 Prozent Verlust lohnt sich ein genauerer Blick. Häufige Ursachen sind WLAN-Störungen, überlastete Switches, ein defektes Kabel oder eine kaputte Route beim Provider.
Wenn ICMP blockiert ist: was dann?
Wollen Sie wirklich wissen, ob ein Dienst erreichbar ist, statt nur, ob ICMP durchkommt, prüfen Sie besser direkt den TCP-Port, auf dem der Dienst läuft. Dafür eignet sich unser Portscanner. Für Webserver liefert zusätzlich ein HTTP-Header-Check die eigentliche Antwort des Servers, unabhängig davon, ob dieser auf Ping reagiert.
Woher der Ping in diesem Tool stammt
Dieses Tool schickt den Ping von unserem Server in Deutschland aus los. Gemessen wird also die Strecke von unserem Rechenzentrum zum Ziel, nicht von Ihrem eigenen Rechner. Für den Vergleich mehrerer Server untereinander (welcher antwortet schneller, welcher gar nicht) ist das trotzdem aussagekräftig. Für die Latenz von Ihrem eigenen Anschluss aus bleibt die Kommandozeile auf Ihrem Rechner die zuverlässigere Quelle.
Praktische Einsatzfälle
- Schneller Check, ob eine Seite weltweit down ist oder nur bei Ihnen lokal nicht lädt.
- Vergleich mehrerer Game-Server vor dem Beitritt, um den mit der niedrigsten Latenz zu finden.
- Latenzvergleich mit und ohne aktives VPN.
- Kurzer Erreichbarkeitscheck vor einem geplanten Server- oder DNS-Umzug.
- Als Grundbaustein: Fast jeder Monitoring-Alarm in Nagios, Icinga oder Zabbix basiert am Ende auf einer Ping-Variante.
Datenschutz
Der Zielhost wird an unseren Server übermittelt, damit die ICMP-Pakete erzeugt werden können. Weder Eingabe noch Ergebnis speichern wir dauerhaft. Die Anzahl der Ping-Pakete pro Anfrage ist begrenzt, um Missbrauch vorzubeugen.